fritz Letsch

gestalt-coaching und supervision

Theater Macht Politik

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theatermachtpolitik.jpgManche Bücher entstehen überraschend, manche Beiträge sind plötzlich da, manche sträuben sich …

Theater macht Politik

war zuerst ein Werkbuch für die Jugendarbeit, das sich im Institut des Bayrischen Jugendring in Gauting so gut verkaufte, dass eine Neuauflage fällig war:

Die AG SPAK hatte auch schon früher das Forumtheater gefördert, wie die Befreiende Pädagogik, der Verlag hat das Buch herausgebracht.

Viele KollegInnen hatten ihre Erfahrungen beigetragen, die Simone Odierna gesammelt und redigiert hat. 19 Euro …

Das Ketzerbrevier war auf eine seltsame Konstellation entstanden: Der CSD in Altötting war eine Herausforderung für die kleine Stadt, für den alten Bischof und die brave schweigende Provinz, die nur in den eingeweihten Kreisen tuschelt, auch wenn sie in einzelnen Bereichen durchaus menschlich und progressiv ist.letsch_altoetting_m

Ketzerbrevier eines Altöttinger Ministranten

bis 15.12.15 auch im ketzerbrevier.blog.de

… denn Sie wissen nicht, was Liebe ist …

Mein Ärger mit der Kirche – Bewusstseinsbildung statt blindem Glauben!
Das Büchlein ist für 13 euronen bei AG SPAK BÜCHER oder im Buchhandel zu bestellen: ISBN 3-930 830-48-5

Die Blogbeiträge bleiben in Befreiungsbewegung.eineweltnetz.org

Bewegungsmuster

Wellen, die sich in Steinen brechen

die frage der bewegungen in bürgerlichem umfeld
die gischt, der sand, die kleinen steine, die sich neu formieren
wie das wasser grade hereinbricht.

wenn wir, aus grüner bewegung kommend,
heute, kritisch genug, in Gestapo-Akten schauen,
sehen wir verwundert – auch – modernisierungskollegInnen.

natürlich zuerst die kriegsgewinnler, lumpige schnellaufsteiger,
dann auch gläubige von blut und rasse, bodenständig.
katholizismus und manches aufgeklärt und protestantische wehrt sich,
verbohrte bibelforscher treffen kommunistische agitatoren im KZ.

geschäftemacher riechen ihre chance,
alten adel und besitzer zu beseitigen,
die kleine denunziation reicht manchmal aus,
manchmal braucht es terror und übergriffe,
mordangriffe per seilschaften in der partei.

Und es ergreifen frauen ihre chance,
saufende und schlagende, asoziale,
und übergriffige männer loszuwerden,
und auch ihre neue rolle in der partei zu nutzen.

junge männer revoltieren gegen ihre dominanten väter,
zeigen plötzlich den alten, dass die neue zeit
ihre alten massstäbe nicht mehr so ernst nimmt wie sie.

in dieser neuen zeit revoltierte mein vater, als hitlerjunge,
gegen seinen prügelnden hitlerkritischen zimmerermeistervater,
bis er an der ostfront, 24-jährig, ein bein verlor,
und etwas später den älteren bruder an der westfront.

der jüngste bruder der mütterlichen grossbauernfamilie
war auch vom hakenkreuz gegen den hitlerkritischen vater
(der auch dorfbürgermeister war) begeistert und starb dafür.

schweigend hingen die beiden gefallenen brüder der eltern
in silbernen rahmen mit schwarzem rand im neu gebauten haus
in unserem neuen kinderzimmer im jahre 1958
als einziger schmuck über den betten der beiden söhne.

heute erscheint mir die damalige angst wie eine gruft,
die 50er und 60er jahre wie eine verlängerung des schweigens
der 40er jahre unserer eltern, die nun keine jugend mehr hatten
vor lauter ängstlichem schweigen zu unseren kinderfragen.

das verstehst du nicht, war die übliche floskel,
und als ich heute die liste der wichtigsten nazis von altötting
und die namen der verantwortlichen der letzten erschiessungen
im mai 1945 in händen hatte, mitsamt den kriegsgewinnlern,
schloss sich eine wunde des damaligen ausgeschlossen-seins:

das verstehst du nicht. nun verstehe ich.
der enkel des damaligen nazi-bürgermeisters und nsdap-ortsvorstands
war mein erster intimer freund, hatte ähnlich schlechte beurteilungen
wie sein grossvater von gegnerischer seite. a lazy good for nothing,
dafür liebte ich ihn.

es ging mir nie um rache, sie waren doch nur kleinliche butter-gewinnler,
wie die milchgeschäftsbesitzerin, die sich so bigott in der kirche inszenierte,
dass wir als kinder kicherten, heute sind sie wieder angesehen in der stadt …

wie der photograph, der damals von haus zu haus wusste,
wo ein hitlerbild hing, sonst könnte ja was passieren,
sein sohn war in der adolf-hitler-schule in simbach.
(nein, kein mensch weiß heute, dass es die gab …)

tabus der kleinstadt, die aufschrecken, weil die alten noch plaudern könnten,
vielleicht leichter sterben würden, mit weniger angst vor dem ausplaudern,
die sie in den bitteren zeiten gelernt hatten, als reden nach dachau brachte.

wir aber, nachgeborene und tabugelernte, können erinnern lernen,
denken und geschichte befreien, damit sie nicht über unsere kinder kommt.

warum unsere mutter auch in den 60er Jahren noch nicht bei Schuh-John kaufte,
dem netten herrn, der auch uns kinder freundlich grüsste,
sondern bei allerlei anderen bekannten, die nicht jüdisch waren,
(wie kam ein jüdischer schuhhändler damals in unsere stadt – zurück?)

was war die Geschichte von dem jüdischen bethaus in der katholischen stadt,
von dem auch die kirchen bis heute schweigen können?
und hatten sie auch einen friedhof? wo? wieviele? verschwunden.
verschwiegen. bis gestern und heute.

Weiss Ferdl’s name für die schule ist nett, seine geschichte mit den nazis
zuletzt im platzl in münchen war es wohl nicht: volkssänger und SS-publikum.
wer sang damals in altötting und für wen?

nur der ortsbauernführer und jener stadtbekannte hetzer gegen den klerus,
dem für seine beleidigungen schauspielerische fähigkeiten bescheinigt wurden?
der arbeitsamtsleiter und die polizeifuzzis, die gegen den einzigen kommunisten
am ort waffen und munitition und benzin bereithielten? der landrat?

graue vorzeit für die kinder, denen die lehrer nun ausgewogen die ferne zeit,
die wir noch mit alten lehrerInnen jahrelang nacherleben konnten,
wieder näherzubringen versuchen werden. ohne ortsgeschichte.

die würde nur alte wunden aufreissen. vielleicht auch manche schliessen.
meine konnte ich zum glück nun in der ferne pflegen. dank mancher juden.

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