Masuren – Märchenland?

masurenEs war eher seltsam, als ich dort hin kam: Das clandestine (heimliche) Treffen der Friedensbewegten der DDR und der BRD 1988, steht auch so in manchen STASI-Akten, die von den verschwiegenen Treffen der  vorigen Jahre in Ungarn fortgeführt wurden:

Ungarn 1985 -1987

Ein Zeltplatz unterhalb der alten Benediktinerabtei Pannonhalma war unsere kleine besondere Heimat geworden, und wir bemerkten zwar so manche seltsamen Interessierten, aber wir waren ja gut drauf:BSTU - Stasi-Akte Inspirator

Friedensbewegung im Osten, wer traf sich da und wie, ökologische Ansätze und später Perestroika, die Pleisse in Leipzig als enorm belasteter Abwasser-Fluss mit kirchlichen Aktionen und Meditationen, die westlichen Aktionen von der Menschenkette in Ulm zur Garnison bis zur Blockade-Aktion mit Bezugsgruppen und Promis in Mutlangen, grüne Bewegungs-Politik und Umwelt-Bibliothek in Ostberlin und Friedenskreis in Pankow …

Wir tauschten Mark Ost / West 1:1 zu Forinth – für uns Wessis ein billiger Urlaub, für die Ostler eine günstige Möglichkeit, zwei Wochen Austausch und Fortbildung gemeinsam zu gestalten.

Das Gefährliche war die vermeintlich gleiche Sprache mit den verschiedenen Bedeutungen, die wir erst durch Nachfragen und Unverständnisse entschlüsseln und erlernen konnten,

wir Westler mit unseren Ansprüchen aus den neuen Methoden der Bildungsarbeit in der fortschrittlichen Friedenarbeit, Gewaltfreie Aktion,  Forumtheater, Gestalt-Kommunikation, Zukunftswerkstätten, während unsere Alt-Strukturen immer auf Ostermarsch, Demo und Massen-Mobilisierungen setzten.Fritz Letsch theaterpädagogik, friedenarbeit

Da in diesen Kreisen auch viele alte DKPler waren, hatten wir dort unsere neuen Erfahrungen genau so zu verschweigen, wie die FreundInnen im Osten zur Struktur der Kirche oder staatlichen Stellen, die zur STASI berichteten …

Entsprechend wenig Aufzeichnungen haben wir, außer den STASI-Unterlagen, die bisher nur einen kleinen Teil der Projekten freilegten: Meine bisher bekannte Akte beginnt erst in Greifswald, ist auf home.arcor.de/letsch/ibu.htm dokumentiert.

Etwas erschrocken war ich, als ich die russische Übersetzung realisierte: Dass der KGB von unseren netten Urlauben wusste …

Greifswald

Aus einer der Theaterwerkstätten mit dem sehr gefragten Forumtheater aus dem Theater der Unterdrückten von Augusto Boal gab es meine erste richtige Akte, aus anderen Projekten wie Zukunftswerkstätten mit vielen Akteuren, späteren Mitwirkenden der letzten DDR-Regierung, muss ich erst allmählich Erinnerungen reaktivieren …

Masuren 1988

Im Vorfeld gab es ein paar Veränderungen in West, ein paar Missverständnisse in der etwas verschlüsselten Kommunikation,und das Problem, dass die Ost-Teilnehmenden im Sommer 1988 kein Visum für Ungarn mehr bekommen konnten, da dort die Grenzen nicht mehr dicht waren.

Als ich ankam, war der Großteil der Ost-Teilnehmenden schon abgereist, weil kaum West-Freunde gekommen und zu erwarten waren, die Visa waren nicht so leicht zu haben.

zum Bauer Gollan am kleinen See

brachten mich spät Nacht, als ich in Olstyn / Allenstein endlich angekommen war, ein paar junge Leute im Kleinwagen, die auch sofort wussten, wo hin ich wollte, und deutsch sprachen: Auch sie wollten Feierabend machen, der letzte Gast …

Rüdiger und Linn

hatten noch eine Woche mehr Zeit, erzählten und wir lernten uns kennen, auf Grundlage der Erzählung der anderen, die schon weg waren, und die Besuch in Olstyn bei Solidarnosc und auf dem Markt, eine Nacht im Hotel und allerlei gegenseitiges „Leben-erzählen“ gab uns eine wunderbare Grundlage.

Potsdam, Brandenburg

rüdigerhatte auf dieser und einer früheren Basis einige Aufträge für mich: Die Studierenden der Fürsorge, im Westen Sozialpädagogik, und die der Gemeindepädagogik in studentischer Mitwirkung / Selbstorganisation waren für mich eine Erleuchtung: Auf der Grundlage der Pädagogik von Paulo Freire gab es kirchliche Hochschulen, vor allem für Bausoldaten und Pfarrerstöchter, die staatlich nicht studieren durften, hier nun selbst organisiert!

Bildungswerkstatt Brandenburg, heute Böll Brandenburg

Nach der Wende ging es schnell: Währungsunion, Vereinsgründung, Ausbildung von Mitarbeitenden, ABM mit 120%, Finanzierung durch die Staatskanzlei, die Brandung e.V., wie der Verein der Gruppierungen für grün-nahe politische Bildung, die wir im Land einsammelten, zwischenzeitlich hieß, daneben ein Institut für politische Pädagogik …

Die Stasi-Auflösung in Potsdam, Geschichtswerkstätten, Zukunftswerkstätten, Mittwochs-Salon, Lehrerfortbildungen, befreiende Pädagogik

nach DEINEM Kommentar schreib ich weiter …,

denn alle anderen, die dabei waren, dürfen gern ihre Sicht dazu stellen …
und wer die Zeit in eigener Weise erlebt hat, natürlich auch!

Nun nennt sich die Heinrich-Böll-Stiftung selbst Zukunftswerkstatt und verdrängt damit, wie diverse Gremien der SPD, die ebenfalls ihre Vortragsreihen so nennen, dass Robert Jungk damit eine wichtige Beteiligungs-Methode entwickelt und mit etlichen KollegInnen überarbeitet und propagiert hatte: Demokratische Zusammenarbeit ist in Bewegungen und außerhalb von Partei-Hierarchien und staatlich finanzierten Bildungswerken anscheinend innovativer.

 

 

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