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Psychologie ist eine gewachsene Profession, der die Maßstäbe der exakten Wissenschaften fehlen: Es gibt kein Maß für Gesundheit und Krankheiten, es wurden in den Jahrzehnten aus den Abweichungen, Krankheiten und Deformationen die Ableitungen getroffen, die jetzt in den letzten Versuchen von Kategorisierung dümmste Auswüchse von Krankheitsdefinition finden: Wer nach einem Todesfall länger als 14 Tage trauert, kann ein Krankheits-Kürzel bekommen, ist abweichend.

Ein sehr mutiger Arzt und Psychologe hat in den 80er Jahren mit einer Papiertüte über dem Kopf eine Rede in einem führenden Kongress über seine Homosexualität gehalten, in deren Folge diese Kategorie nicht mehr als krankhaft eingeordnet wurde. Einige Psychoanalytiker im Umkreis von Freud waren schwul, durften es aber nicht eingestehen, weil das damals als „unausgereift“ eingeordnet wurde.

Ist das eine exakte Wissenschaft? Eher entsprechend der katholischen Theologie, die den Frauen auch immer noch ein „besondere“ Rolle zuschreibt, um sie nicht in die Priesterkaste lassen zu müssen: Religion und Sekte, wie manche der alten Juristen …

Die reden auch gern lateinisch, wenn es der „Laie“ nicht verstehen soll, oder besonders klug und historisch „wahr“ dargestellt wird. Da schwingt der Hochmut der alten Klassengesellschaft des Gymnasiums mit, das die Ärzte, Priester, Juristen und Professoren hervorbringt.

Die bayrische Obrigkeit verteidigt dieses Klassen-Bildungssystem mit „Verkündigungen“ aus dem Kultusministerium, und die Konkurrenz der Lehrerverbände festigt die Elite-Versuchung, „Besseres“ zu sein. Ein Nachklang alter Zeit, ins Extrem getrieben im 3. Reich, nie bewältigt, nie demokratisiert.

Die kurze Revolution in München hatte zwar den maroden Monarchen Ludwig III hinweggefegt, den heute keiner mehr kennt, aber der Apparat ist geblieben, die Beamten-Hierarchie, und hatte die Macht übernommen, über Polizei und stellte eine Ordnung wieder her, die ihr entsprach. Ein bisserl Sozialdemokratie durfte da sein, aber die Besitzenden, Zahlenden behielten die Macht.

Nun ist es Zeit, nach dem die Grünen etablierte Polit-Apparate haben und die Piraten als nächste Generation dagegen antreten, die demokratischen Strukturen neu zu denken: Welcher Apparat braucht tatsächlich welche Hierarchie, wie viel Verantwortung wird in Arbeitsgruppen und Teams getragen, wie organisieren Richter tatsächlich eine Selbstorganisation, die nicht am Ministerium hängt?

Die Reaktions-Unfähigkeit um den Fall Mollath (und einige weitere, die sich längst ankündigen) bringen nicht nur die Blockaden um die Revisionen als strukturelles Unrecht zum Vorschein, sie zeigen auch das „unfehlbare System“, in dem nicht nur keine Krähe der anderen ein Auge aushackt, sondern die Heiligkeit des „Vertrauens in die Justiz“ erhalten werden soll.

Der Spruch eines befreundeten Richters, „vor Gericht und auf hoher See bist du in Gottes Hand“ deckt mir die absolut undemokratische Haltung (früher konnte man noch „unrepublikanisch“ sagen) auf, die da unreflektiert und ständisch weiter ihre göttliche Gerechtigkeit auf uns abfeiert.